Im Seelenhafen

Tief in dir drinnen, im Innersten deiner Mitte, da liegt (d)ein Seelenhafen.

Dort wohnen deine eigene Zeit und dein Raum.

Deine Ur-Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft bilden dein eigenes Gef├╝hlswetter, lassen Regen aus Wolken flie├čen und die Sonne in dir scheinen.

Wenn du ihn vernachl├Ąssigst, werden dort nicht die ÔÇ×richtigenÔÇť Schiffe anlegen.

Wenn du ihn aber behutsam pflegst, schwimmen in ihm, in deinem Seelenhafen, innere Harmonien, wachsen dort Gl├╝ck und Frieden, sprie├čen Zuversicht und Zuneigung, schillern Erwartungen, Hoffnungen und Vorfreuden in glitzernden Farben.

 

Dein Seelenhafen hat viele Becken.

Schiffe, die in ihnen - und damit in deinem Innersten - festgemacht habe, unterscheiden sich in Gr├Â├če, Alter, Zustand, ihrer Mannschaft, den Reisezielen und ihrer Bestimmung.

Manchmal findest du dich in deinem Seelenhafen nicht zurecht, wei├čt nicht, welches der vielen Schiffe f├╝r dich bestimmt ist.

Die kleinen Boote, die zwischen den gro├čen Schiffen liegen, sind nicht geschaffen f├╝r die Reise auf rauer See, sie taugen nicht f├╝r den doch oft hohen und gelegentlich gef├Ąhrlichen sturmgepeitschten Wellengang deines Lebens.

Du kannst sie bestenfalls einmal f├╝r einen kleinen, unbeschwerten Ausflug nutzen.

 

Die gibt es Frachter, Lastk├Ąhne und Fischerboote.

Sie sind die Arbeitstiere unter den Schiffen. Ihre B├Ąuche sind einmal prall und schwer gef├╝llt, dann hungern sie wieder nach neuer Ladung. Nie d├╝rfen sie lange liegen, denn Zeit ist Geld. Ihre Mannschaf┬Čten sind gut ausgebildet und m├╝ssen hart arbeiten.

Sie stehen f├╝r die Energie, die der (Arbeits-)Alltag, das Karriere-Suchen und -Finden fordern, aber auch f├╝r Rastlosigkeit und Unruhe derer, die unzufrieden sind mit dem Erreichten. Ohne sie w├╝rden wir in der Entwicklung stehen bleiben, unsere Existenz nicht bewahren k├Ânnen. Wenn wir in ihnen reisen, f├╝hlen wir uns manchmal m├╝de, ├╝berfordert, abgek├Ąmpft.

Die gr├Â├čeren von ihnen nutzen Schlepper und Lotsen, um aus dem Schutz des Hafens durch die engen Fahrrinnen hinaus sicher ins weite Meer zu gelangen. Sie nehmen diese Hilfe dankbar und bereitwillig an, denn allein gelassen w├╝rden sie viel zu leicht leckschlagen oder gar stranden.

 

Neben ihnen liegen einige wenige Seelenverk├Ąufer.

Sie berichten viele Geschichten von Not, Verlust und Reisen ohne gute Wiederkehr.

Sie transportieren - neben K├Ąlte und Farblosigkeit - oft Verzweiflung und Einsamkeit, Schmerzen und Not, Trauer und Hoffnungslosigkeit. In ihnen fehlen h├Ąufig die Rettungsboote.

In sie verkriechst du dich gerne, wenn es dir nicht gut geht, wenn du traurig bist, dich alleine gelassen f├╝hlst, die Sonne nicht mehr sehen kannst oder magst. Hier hoffst du meist vergeblich, einen Raum zu finden, der dich vor neuen Verletzungen bewahrt, dich sch├╝tzt in deinem Leid.

Lange solltest du nicht in ihnen verweilen, sonst l├Ąufst du Gefahr, dich selbst, deine Lebensfreude, die Sonne im Herzen und alle deine Freunde zu verlieren.

 

In einem gesonderten Hafenbecken findest du Ausflugsdampfer und Kreuzfahrtschiffe.

Manchmal verspr├╝hen sie ├╝berschwengliche, schiere Lebensfreude - laut und schrill - , bieten aber auch oft kulturelle Gen├╝sse, stilvolles Ambiete und edle Ausstattung f├╝r die "sch├Ânen" Stunden auf der Lebensreise

In Zeiten von Liebe und Treue, Zuversicht und Hoffnung, Freude und Lust, Harmonie und innerer Ruhe verweilst du gerne in ihnen, wartest dann ungeduldig darauf, dass sie mit dir an Bord ablegen, dich ins himmlische Seelengl├╝ck tragen.

Wenn es dir verg├Ânnt ist, mit ihnen in See zu stechen, geht es dir immer gut. Nicht einmal zarteste Wolken hindern dann die strahlende Sonne, deine Seele zu w├Ąrmen.

Nicht alle Tage wird es dir gelingen, bei ihnen an Bord zu bleiben.

 

An jedem neuen Morgen, der dir geschenkt wird, wachst du in einem der Schiffe auf.

Manche Tage, ja gar Wochen bleibst du auf dem selben Schiff.

Dann gibt es aber auch Zeiten, in denen du gewollt oder ungewollt ausgebootest wirst oder von dir aus mit einem mutigen Sprung "ab-" und "├╝berspringst".

In deinem Seelenhafen gibt es auch einen nat├╝rlichen Jahreslauf und Gezeiten, manchmal Frost, Regen, gelegentlich Sturm aber auch Sonne, glattes Wasser, Windstille und W├Ąrme.

Oft musst du das Wetter im Seelenhafen so nehmen, wie es kommt, meist hast du aber selber die M├Âglichkeit, es zu beeinflussen und dir das Schiff auszusuchen, mit dem du auf gro├če Fahrt in See stichst.

 

Nutze die Chancen, die sich dir bieten, stets das richtige Schiff in deinem Seelenhafen f├╝r deine Reise zu w├Ąhlen, jeden Tag neu ÔÇŽ

 

 

zur├╝ck

     

home Poesie Feste Seelenfrieden Seelentr├Ąume Seelenfarben Seelenfreunde Seelennot Neue Gedichte Gedanken G├Ąstebuch