2004

Auf ein Neues ...

Kaum zu vernehmen, winzig klein,
klopft zaghaft es an uns’re Scheiben.
Öffne die Tür, lass es herein,
über zwölf Monde soll es bleiben.

Obst und Gemüse überall
verführ'n zu reichlichen Genüssen,
kaum einer denkt da an den Fall,
der oft folgt solchen Überflüssen.

Füll’ schnell die Kelche voll mit Sekt,
lass funkelnd hoch Raketen steigen,
noch ist es gänzlich unbefleckt,
da kannst du furchtlos Gunst bezeigen.

Der Gast zumindest merkt es schon,
bunt färben sich einst grüne Blätter,
dass er seine Approbation
verliert, wenn Frost folgt Regenwetter.

Auf ungewissem Weg zum Ziel,
solang’ Eisblumen Fenster zieren,
fehlt ihm noch jegliches Profil,
auf das du dich kannst fokussieren.

Im Fernseh’n wird schon reichlich früh,
bevor die letzten Stunden schlagen,
in Bildern, Worten, ohne Müh,
begonnen mit den Wertefragen.

Erst wenn - vorlaut und denkbar kühn -
trotz Frost und schneebedeckten Fluren,
die Schneeglöckchen als erste blüh'n,
erkennt man zaghaft seine Spuren.

War's denn ein gern gesehner Gast,
hat er sich ordentlich benommen,
der ohne Ruh bei wenig Rast,
am Ende scheint bald angekommen?

Noch wird gerechnet und geplant,
wie viel an Wachstum es wohl bringe;
auch wenn - ganz ehrlich - niemand ahnt,
ob's kostet wieder Silberlinge.

Das Grab wird ihm schon ausgesucht,
auch wenn es gern noch weiter liefe,
der Totenschmaus ist schon gebucht,
geschrieben manche Abschiedsbriefe.

Wenn Blumen steh'n auf jedem Feld,
die Sonne wärmt uns viele Stunden,
ist's längst vorbei mit Kindergeld,
hat es schon erste tiefe Wunden.

Das "Neue" wünschen alle her,
soll besser werden als das "Alte",
welches, ganz ohne Gegenwehr,
verstirbt im Böller-Hinterhalte!

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